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Donnerstag, 1. Januar 2015

SEITE EINS

Ich öffne langsam meine Augen und blicke in mein Zimmer was noch aus schwarzen Schatten besteht, da die Morgendämmerung gerade erst eingesetzt hat. So fängt er also an Tag 365. Ich quäle mich aus meiner warmen Decke und tapse fast lautlos die braunen Treppen runter, hin zur Küche. Ein heisser Tee und schon schlüpfe ich zurück unter meine dicke Decke. Am liebsten würde ich sie mir bis über den Kopf ziehen und einfach nur da liegen bis heute Abend, und dann ganz schnell das neue Jahr begrüssen was eigentlich nur besser werden kann als dieses. Ein Jahr so unberechenbar -  ich habe gelacht, geliebt, geweint. Ich habe zu viel Wein getrunken - dafür nächtelang durchgetanzt. Ich habe einen ganz besonderen Menschen verloren aber auch Menschen dazu gewonnen. Ich habe gelernt alleine mit mir glücklich zu sein,  habe es genau so genossen mein Bett mit unglaublich vielen verschiedenen Freunden zu teilen und morgens verkatert neben ihnen auf zu wachen. Während sich in mein Kopf dazu entscheidet das Jahr noch mal im Schnelldurchlauf durchgehen zu wollen währe ich mich und versinke zurück in meinen Schlaf. Als ich nun meine Augen wieder langsam öffne blicke ich in mein jetzt sonnenerfülltes Zimmer - 2014 möchte sich gebührlich verabschieden. Ein Blick auf die Uhr sagt mir dass nun der Stress auf mich wartet - wie jedes Jahr. Zwei verschiedene Socken sind schnell gefunden und so stolpre ich durch mein Zimmer auf der Suche nach meinem Autoschlüssel. Ein letzter prüfender Blick, als ich schon die Türklinge in der Hand halte - Mist, schon wieder nicht aufgeräumt dabei wollte ich dieses Jahr nun wirklich ordentlich starten. Ich nehme die letzten zwei Stufen zusammen und mit einem kleinen Satz bin ich schon unten und gleich danach im Auto. Die Straßen sind zugestopft. Rotewelle - klasse. Und so hetze ich wie jedes Jahr kurz vor Ladenschluss in den Supermarkt greife mir die letzten Wunderkerzen und Donuts und warte. 'Entschuldigen Sie', kreischt die Frau vor mir an der Kasse zur Kassiererin, 'Ich habe hier auf meinem Bonn gesehen, die Rollmöpse kosten gar nicht 1,33. Die kosten ja 2,30, also haben die falsch verstanden. Also so geht das nicht, dann muss ich die jetzt zurückgeben.' Ich überlege kurz genervt ob ich der Frau nicht einfach einen Euro in die Hand drücken soll, damit sie ihre dummen Rollmöpse nicht zurückgeben muss und die Schlange endlich mal vorankommt, entscheide mich dann aber doch dazu abzuwarten. 

Zwei Stunden, in zwei Stunden ist dieses Jahr vorbei denke ich - durchhalten. Wir brechen schon die ersten Vorsätze weniger Wein zu trinken und vertiefen uns in mehr oder weniger tiefgründige Gespräche. Wir reden über Abschied und Zukunft, ja und jedes Augenpaar in das ich blicke glänzt nur so wenn es darum geht von seinen Plänen nach dem Abi zu erzählen. Wir wollen alle raus hier, genau so aber wollen wir nicht loslassen deswegen sind wir wohl alle zusammen hier - ein letztes mal bevor es dann ernst wird. Die Zeit rennt, typisch 2014. Füüüüünf. Wir kreischen. Vieeeeer. Wir lachen. Dreeeeei. Wir umarmen uns. Zweeei. Wir schließen die Augen. Eeeeeeins. Kein Halten mehr - wir knutschen uns gegenseitig ab und halten uns in den Armen.  Besser kann man das Jahr nicht starten, als mit diesen zwei wunderbaren Brünetten Weinleichen. Ich löse meine Arme schnell und flitze zum Auto um die Wunderkerzen zu holen. Ich steh mitten auf der Straße und blicke in einen Himmel voller Lichter, man, hab ich auf diesen Moment gewartet. Scheiß auf die Vorsätze es wird genauso viel Wein getrunken und es werden genauso viele Nächte durchgetanzt. Mein einziger Vorsatz dieses Jahr ist glücklich sein - egal wie, egal wo. Tag 1 von 365 und ich kann es kaum abwarten Seite für Seite umzublättern. 


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