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Donnerstag, 31. Dezember 2015

SEITE 365

Behutsam klappe ich das rote große Notizbuch auf.  "Seite eins" steht in Großbuchstaben als Überschrift auf der ersten Seite. Ich blättere ein zwei Seiten, auf der Suche nach zwei ganz bestimmten Sätzen. Und dort stehen sie , ganz sauber einer sonst komplett leeren Seite: ,, Scheiß auf die Vorsätze, es wird genau so viel Wein getrunken und es werden genauso viele Nächte durchgetanzt. Mein einziger Vorsatz für dieses Jahr ist glücklich sein - egal wie, egal wo."


"Klick, Klack" macht es auf dem Asphalt und ich hab keine Ahnung wann ich das letzte mal Pumps getragen habe, aber der heutige Tag ist wohl definitiv Fußschmerzen würdig. Zeugnisvergabe - offizielle Entlassung aus der Schule. Ich stehe in einem Pulk von Freunden, die in den letzten Monaten zu besten Freunden geworden sind, zu meiner zweiten Familie. Auf uns wartet ein riesengroßer Tisch und ein chinesisches Buffet also verteilen wir uns auf die Autos um ein letztes Mal vom Parkplatz zu düsen. Der Motor summt, und aus dem Radio ertönt einer dieser Songs der das Gefühl von Freiheit in jedem einzelnen Ton widerspiegelt. Ein bisschen zu schnell fahren wir in Richtung Ausfahrt und dann höre ich neben mir von dem Beifahrer Sitz "Eins, zwei, drei" bis ich laut mitschreie "Abschlussjahr, Baby"!

Wenn ich den Regio nehmen würde wäre ich eigentlich schneller denke ich mir, entscheide mich aber doch für die S-Bahn weil ich es mag vor mich hin zu träumen. Mag es die Leute zu beobachten die ein und aussteigen, mag es darüber nachzudenken wo sie wohl gerade hinfahren. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Zielen. Der Herbst ist angekommen in Berlin und so verabschiedet sich die Sonne schon frühzeitig. Ich hebe meinen Kopf von meinem Buch und der Anblick trifft mich wie ein Schlag, denn es sieht aus als würde der Himmel brennen. Feuerrot erstrahlt er, ich weiß nicht wann ich jemals so einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen habe - in Deutschland zumindest. Nur ganz kurz wende ich meinen Blick von dem Fenster, denn oft habe ich das Gefühl, dass so viele Menschen blind für solche Momente geworden sind. Dieses mal ist es anders, der Mann gegenüber hat sein Buch zugeklappt und schaut raus. Die Frau rechts in dem Viersitzer packt so eben ihr Smartphone weg und guckt raus. Ja, der ganze Wagon kann seinen Blick gerade nicht von dem Himmel wenden. Alle Gesichter glänzen in einem rot, orangen Schimmer. So auch meins, als ich meinen Blick zufrieden wieder zum Fenster richte.

Die Tür fällt hinter mir ins Schloss und ich lasse kurzentschlossen meine Kopfhörer im Ohr. Ich laufe geradewegs zu meinem Zimmer, öffne die Fenster zum Hinterhof - laue Sommerluft strömt mir entgegen.  Und dann fange ich an zu tanzen. Die Dielen quietschen unter mir und einzig und alleine das Licht der Nachbarn wirft einen Schatten in mein Zimmer. Ich bin ein wenig verzaubert von dem Abend, und genieße es. Ich bin stolz auf mich einfach mal auf was neues eingelassen zu haben und stolz darauf nicht mehr in der Vergangenheit zu leben. In meinem Magen breitet sich ein Gefühl aus, welches sich kurze Zeit später in meinem ganzen Körper breit macht. Es macht mir Angst und gleichzeitig macht es mich glücklich. 

Ich kneife meine Augen zu, als ich in die Sonne trete und die Straße überquere. Männer in Anzug und schwarzen Aktentaschen laufen hektisch an mir vorbei. Einmal über die Straße und ein Blick auf die Uhr sagt mir das ich spät dran bin, und trotzdem verlangsam sich meine Schritte. Ich hebe meine Blick Richtung Himmel und warte auf einen ganz bestimmtem Moment, und da ist der. Der Moment in dem der Fernsehturm zwischen den hohen Gebäuden hervorragt. Jeden Morgen zaubert er mir aufs Neue ein Lächeln in Gesicht, denn er zeigt mir jeden Tag das es real ist. Das ich in der Stadt lebe, in die ich mich vor vielen Jahren verliebt hat. Er zeigt mir das ich angekommen bin, angekommen in einer Stadt in der ich mich mehr Zuhause fühle als irgendwo anders. 

Meine Mutter ist am Telefon, ich halte gerne Kontakt mit ihr auch wenn es nicht immer ganz so regelmäßig klappt wie sich das wahrscheinlich wünscht. "Sag mal, was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten", fragt sie mich neugierig. "Mhm, ich weiß nicht", antworte ich und nutze die kurze Stille um meine Gedanken kreisen zu lassen. Mit erstaunen stelle ich fest,  dass mir wirklich nichts einfällt. "Um ehrlich zu sein hab ich keine Wünsche mehr. Daddy und du habt mir dieses Jahr einfach jeden Wunsch erfüllt. Ja, also ich bin wunschlos glücklich da gibt es nichts was mir noch fehlt". Genau das ist der Moment in dem ich realisiere, dass ich es wirklich geschafft habe. Das ich glücklich bin. 


"Glücklich sein - egal wo, egal wie". Ich streiche vorsichtig über die schwarzen Druckbuchstaben bis ich das Buch wieder langsam schließe und zurück an seinen Platz lege. Wie letztes Jahr um diese Zeit liege ich in meinem Bett und wieder ziehe ich die Decke tief unter meine Nase und ziehe meine Beine ran. Doch dieses Jahr ist es anders, dieses Jahr möchte ich das der Tag ewig geht - das dieses Jahr ewig ist. Es gab kein Jahr in dem ich so glücklich war, kein Jahr in dem ich so zu frieden mit mir selbst war. Anfang des Jahres stand ich verloren vor meinem Spiegelbild und heute bin ich angekommen. Angekommen in der Stadt die ich liebe, angekommen bei Menschen die mich lieben. Angekommen bei mir selber. Ich entscheide selber wer oder was mich glücklich macht, versuche nicht alles zu überdenken und einfach spontan aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Jeder Moment, jede neue Freundschaft hat mich bereichert dieses Jahr. Wer ich jetzt genau bin, weiß ich nicht. Aber ich bin gerade einfach nur glücklich mich erstmal selbst wiedergefunden zu haben. Wer ich sein werde nächstes Jahr weiß ich nicht, aber ich kann es kaum erwarten herausfinden. Also springe ich aus dem Bett und werfe die Arme hoch und tanze ein letztes mal durch dieses Jahr.


SOUNDTRACK FÜR 2015:
ALABAMA SHAKES - ALWAYS ALRIGHT, CLUESO - STADTRANDLICHTER, MODERAT - A NEW ERROR, BEN HOWARD - DEPTH OVER DISTANCE, BENNE - NIRGENDWOHIN, KATE NASH - MOUTHWASH, BONJAH - GO GO CHAOS, DAUGHTER - LANDFILL, M83 - WAIT (KYGO REMIX), THE KOOKS - IS IT ME, FINK - LOOKING TO CLOSELY, BEN HOWARD - SHE TREATS ME WELL (ROBIN SCHULZ BOOTLEG), DESIRE - UNDER YOUR SPELL, ANNENMAYKANTEREIT - 3.STOCK

MOMENTE DES GLÜCKS 2015

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Mein letzter Morgen mit dir...
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Mein erster Tag in Berlin - bin aus dem Strahlen nicht raus gekommen!
IMG_1277 KopieAbiball mit meinen Lieblingschaoten!
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Die Party nach dem aller letzten offiziellen Schultag meines Lebens!
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Ein wunderschönen Konzertabend, der mit einer ganz besonderen Person neben mir geendet hat.

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Ein Morgen in Rom, als ich nach Tagen im Zelt in sauberen Laken aufgewacht bin von der Sonne geweckt.
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Tage an der Uni, an denen ich einfach hinter dir herlaufe und unglaublich froh bin dich neben mir zu haben. Genau wie den ganzen Rest von uns.
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Der letzte Abend vor meiner Abreise, als meine Freunde eine Überraschungsabschiedsparty für mich geplant haben und wir um das Lagerfeuer gesessen haben und durch die Nacht getanzt haben.
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Kurz vor der Abreise als du gesagt hast das du stolz auf mich bist, und mich schweren Herzens hast gehen lassen, obwohl ich ganz genau wusste, dass du mich eigentlich gar nicht loslassen wolltest.
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Stellvertretend für alle Abende, die wir in dem kleinen Haus am See verbracht habt. Alle Abende an denen ich einfach zu euch gefahren bin und wir uns in den Armen lagen und geredet und gelacht haben.
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Der Abend in Slowenien, als wir beide einfach am See saßen und auf die Alpen geguckt haben. Als wir uns später die Schlafsäcke unter die Nase geguckt gezogen haben und in den Sternenhimmel geguckt haben und ich mir niemand anderen hätte neben mir vorstellen können.
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Für alle Stunden die auf der Straße, auf den Gleisen oder im Flugzeug verbracht habe. Die Stunden in denen meinen Gedanken umher geschwirrt sind und ich jeden einzelnen Sonnenuntergang auf der Fahrt zum nächsten Ziel genossen habe.
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Mein Traumkleid, für das ich selber gearbeitet habe. Das Traumkleid von dem ich seit Jahre in meiner Vorstellung geträumt habe, und der Moment als ich fertig vor meinem Spiegel stand und mich wohl gefühlt habe in meiner Haut.
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Sommertage an denen ich mit offenem Dach mit euch durch die Straßen gedüst bin und Daddy die Selfies für mich geschossen hat während Mama die Augen verdreht hat.

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Der Moment von Freiheit, als ich mich aus dem kleinen Zugfenster gelehnt habe während der Sommerwind meine Haare im Wind hat tanzen lassen.

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Als wir das letzte Mal vom Schulhof gefahren sind und laut "ABSCHLUSSJAHR BABY" geschrien haben.

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Die 7 Tage Bulgarien, die ich niemals vergessen werde. Die 7 Tage in denen wir zusammen in viel zu kleinen Betten geschlafen haben, Nächte durchgetanzt haben, Sonnenuntergänge beobachtet haben oder einfach nur gelacht haben bis wir Bauschmerzen hatten.
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Der Moment als ich meinen Mut zusammen genommen habe und von der Klippe gesprungen bin. Allgemein jede einzelne Sekunde die ich im Meer verbracht habe.
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Der Morgen nach dem Abiball als wir total fertig aber überglücklich um 8 Uhr Burger essen gefahren sind.
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Jede einzelne Autofahrt mit dir, bei der du mir mit deinem einmaligen Fahrstil ein Lächeln auf die Lippen zauberst. Und natürlich jede Autofahrt in der wir laut "Love me like you dou" mitgrölen.


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Der erste warme Abend im Frühling den wir alle zusammen am Strand verbracht haben.
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Jeder Tag an dem ich in unser Chaos WG aufwache. Die Abende die wir gemeinsam draußen oder in der WG Küche verbringen.
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Jeder Moment in dem ein Lächeln mein Gesicht erfüllt. Jeder Moment der mich 2015 so hat aussehen lassen! DANKE

Kommentare:

  1. Wundervoller Rückblick. Ich liebe die Art wie du schreibst. Richtig schön.
    Ich hoffe das 2016 ebenfalls von zahlreichem Lächeln in deinem Gesicht geprägt ist.

    http://dontbearunaway.blogspot.de

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  2. Was für ein wunder, wunderschöner Rückblick.

    Ich liebe deine Bilder sie strahlen so viel Lebensfreude aus. Wunderbar.

    Darf ich fragen wie du den Analog Effekt gemacht hast mit den Kratzern?

    Fühl dich gedrückt,
    Mary

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  3. Deine Bilder sind echt super - sie fangen einfach perfekt den Moment und die Stimmung ein!

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