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Sonntag, 23. August 2015

PROM

Ich lasse meinen Blick kurz durch den Saal schweifen und bin ein wenig verwundert. Vor ungefähr einer Stunde war er noch komplett gefüllt mit über 500 Leuten, doch nun sind die meisten Tische nur noch halb besetzt und auch auf der Tanzfläche ist nun Platz zu Tanzen ohne irgendwelche Körperflüssigkeiten anderer abzubekommen. Ich drehe mich wieder hin und blicke in die verschwitzen Gesichter meiner Lieblingsmenschen, denn es ist egal das einige schon relativ früh gegangen sind, solange diese Menschen jetzt gerade alle hier sind. Wir tanzen zu den ältesten Hits, stellen unsere Y-M-C-A Kenntnisse unter Beweis und veranstalten alle paar Minuten ausgiebige Dance Battles oder "Wer-kann-am-besten-abspacken". Man kann es so ziemlich in jeden Augen sehen, die Freude über diesen Tag den wir uns solange ausgemalt haben, auf den wir so lange gewartet haben. Doch zu der Freude mischt sich Wehmut und Angst, denn das ist es jetzt wirklich - das Ende. Alle Prüfungen haben wir zusammen überstanden, jede offizielle Veranstaltung nacheinander abgehakt immer das große Ende im Blick auf das man sich am meisten freut. Und jetzt gerade leben wir es, das große Ende. Viele Anzüge, unzählige lange glitzernde Kleider und ein Überfluss an High Hehls, Smokey Eyes und Krawatten leben ihn gerade mit uns. Mein liebster Lockenkopf reißt mich aus meinen Gedanken und wirbelt mich über die komplette Tanzfläche, was ich dieses mal auch ohne jeglichen Wackler überstehe, da die High Hehls natürlich um Punkt 12 Uhr gegen bequeme Sandalen getauscht wurden. Ich gluckse und lache wie ein Honigkuchen Pferd bis mein Lieblingsbrownie in meinen Armen liegt - verdammt gut sieht der heute aus! Sein breites Grinsen löst bei mir Zufriedenheit und Wehmut aus, denn das werde ich definitiv vermissen. Das schelmische Grinsen was er so ziemlich jeden Tag auflegt und was mich in so manchen Situationen echt verrückt gemacht hat. Auf einmal tönen die ersten Klänge von Wonderwall aus den Boxen direkt neben uns - der Klassiker - aber damit kriegt man mich immer wieder. Und so rollen sie die ersten Tränen, die ich tapfer zurück gehalten habe. Daraufhin finde ich mich in unzähligen Armpaaren wieder, die mich alle so fest drücken als würden sie alle Traurigkeit von mir abnehmen wollen. Es gelingt ihnen und dann bei "Cause maybe, you're gonna be the one that saves me" stehen wir alle in einem Kreis und blicken uns an. Selten waren Zeilen eines Songtextes so wahr, für mich zumindest. "And after all you're my wonderwall" kreischt es aus unzähligen Kehlen und meine Traurigkeit verliert sich unter all den schiefen Tönen und der schwitzigen Luft. Wir tanzen noch eine Weile so, doch wie es bei den schönsten Abenden einfach so ist fliegt die Zeit und um Vier sind wir nun alle draußen vor dem Eingang verteilt. Durch die Nacht tönt ein lautes "Abi-Abi-Abi-Abituuuuuur" was immer noch in meinem Kopf summt als wir uns bei dem Schweden in Spe im Bett wiederfinden. Wir liegen schon wieder komplett übereinander alle in einem Bett, mit viel zu wenig Platz. Die zwei Chaoten neben mir bekommen sich nicht mehr ein über den Mist, den ich gerade von mir gebe, bis wir alle einfach unsere Augen nicht mehr öffnen und friedlich vor uns hinschlummern.

Langsam öffne ich meine Augen und kneife sie sofort wieder zu - aua, Tageslicht. Ich höre ein leises Rascheln und bin verwundert das schon jemand wach ist. Der Frühaufsteher bietet sich als Fahrer an und nach einem sanften Rütteln der zwei Chaoten neben mir sitzen wir alle in seinem Auto und fahren durch den Nebel auf der Landstraße. Noch alle nicht nüchtern glänzt das große M in unseren Augen. Unser Anblick (Zweimal halb abgeschmiertes Make up, Zwei mal lange Kleider mit Sandalen, zwei mal halb verschlafene Jungsgesichter mit Sakko) verwundern ihn ein wenig doch das ist jeder Bissen unserer Burger gerade wert. Inzwischen ist es 8.02 Uhr und aus den Boxen tönt eins meiner Lieblingslieder, ganz ohne Text einfach nur der Bass. Wir fahren durch die leer gefegten Straßen unserer Stadt und Lachen über unzählige unsinnige Dinge, bis wir alle ein wenig müde verstummen. Das war's jetzt also denke ich und blicke aus dem Fenster. Das war nun echt das Ende.  


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