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Montag, 14. September 2015

UNEXPECTED MOMENTS!

Von oben drückt die Hitze wie eine tonnenschwere Decke. Im Rennen schnappe ich noch die Temperaturanzeige auf dem Schild oberhalb des Kiosks auf - 37 Grad. Treppe runter, um dann letztendlich das erste mal wieder aufatmen zu können, denn wir haben den Zug nicht verpasst und er kommt sogar auf dem gleichen Gleis an. Es dauert nicht lange da bebt der Boden ein wenig und der Zug fährt ein. Unzählige bepackte junge Menschen quetschen sich vor die verschiedenen Eingangstüren, und das Gedrängel hört nicht auf im Zug. Jedes einzelne Augenpaar späht hektisch durch das Zugabteil in der Hoffnung noch einen freien Platz zu erhaschen. Ein Ellenbogen hier, ein ungewollter Schweißaustausch da und dazu die belustigten und erleichterten Blicke derer, die sich ein Kabine reserviert haben. Eine Kettenreaktion beginnt und so fällt nach und nach ein Rucksack nach dem anderen auf den schmalen Gang vor den Zugkabinen und mit den Rucksäcken gleiten auch die jeweiligen verschwitzen Besitzer an der klebrigen Zugwand herunter. Und da sitzen wir nun mit mindestens zwanzig Backpackern in einem viel zu schmalen Gang und haben direkte Aussicht auf die jeweilige Zugkabine vor uns. Lautes Stöhnen schwirrt durch die Luft und wenn ich meinen Blick nach links schwenke blicke ich in unzählige genervte und erschöpfte Gesichter. Nur ein Gesicht sticht heraus, und zwar das von meiner Partner Blondine genau neben mir. Ihr Lachen ist so ansteckend, dass ich gar nicht aufhören kann mit zu lachen. Nachdem wir in Budapest am Hauptbahnhof gemerkt hatten, dass wir am falschen Bahnhof waren, sind wir gerade eigentlich nur froh noch den richtigen Zug bekommen zu haben. Und so lachen wir bis wir Bauchschmerzen bekommen.  Die Jungs aus der Zugkabine direkt vor unseren Nasen schauen ein wenig verunsichert und fühlen sich wahrscheinlich grad wie Affen im Käfig, dennoch scheut es sie nicht ihre eckligen Füße direkt an die Fensterscheibe zu halten. Nach und nach verstummt unser Lachen und lasse meinen Kopf auf meinen Rucksack nieder. Ein dauerhaftes Piepen tönt aus dem Maschinenraum direkt neben mir, bis es auf einmal von vorsichtigen gitarrenartigen Klängen übertönt wird. Mein Blick folgt den Tönen und ganz hinten im Gang erkenne ich einen Jungen mit einer Ukulele in der Hand. Ich schließe meine Augen und lausche diesem wunderbaren entspannten Klang zu dem sich nun auch noch eine Muntamonkia mischt. Ich könnte mir gerade nichts schöneres vorstellen als hier zu sitzen, in diesem viel zu kleinen Gang ohne Klimaanlage, total verschwitzt und erschöpft aber erfüllt von  einer unglaublichen Zufriedenheit. Zufriedenheit die in den absurdesten und chaotischen Situationen auf dich einprasselt, wenn du es am wenigstens erwartest. Und so sitze ich einfach da die nächsten zwei Stunden, und die Jungs spielen, sie spielen bis wir am Bahnhof angekommen sind und ich weiß, dass ich genau für solche Momente all die Strapazen liebend gerne auf mich nehme. 



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Split, Kroatien // Juli 2015

Montag, 7. September 2015

LIVING ON THE RAILS

Die Schienen klappern vor sich hin und die Landschaft zieht nur so an mir vorbei. Vor genau sieben Tagen saß ich im Zug und bin quer durch Deutschland gefahren um letztendlich ein fast fremdes Mädchen zu treffen und mit ihr das große Abenteuer zu beginnen. Vor genau sieben Tagen saß ich genau wie jetzt einfach da und habe aus dem Fenster gestarrt. Damals habe ich mich gefragt was ich hier eigentlich mache, ob es die richtige Entscheidung war mein ganzes Geld für diese Reise auszugeben, ob es das richtige war mit einer völlig fremden Person los zu fahren. Hatte Angst das diese Reise nicht meinen Erwartungen entsprechen würde, und war voller Zweifel wirklich einmal alles los lassen zu können.
 Jetzt gerade blicke ich aus dem Fenster und bin angekommen, angekommen in diesem Leben zwischen Zeltplatz und Toilettenpapier in den Taschen. Angekommen in einem Tagesrhytmus in dem Zeit keine Rolle spielt und du jeglichen Verpflichtungen für eine Weile entfliehen kannst. Mein Blick wandert rüber zu der inzwischen nicht mehr fremden Person die gegenüber von mir vor sich hinschlummert. Ein Grinsen macht sich auf meinem Gesicht breit, wenn ich nur daran denke wie witzig und schön die letzten sieben Tage schon waren, und ja, langsam habe ich das Gefühl wir werden zu einer richtigen Zweimann Familie. Wir haben bei Wein und Sommerwind stundenlange Gespräche auf dem Balkon geführt, sind angetrunken durch Prags Altstadt geirrt um letztendlich in einem Strip Club zu landen. Haben in Wien damit begonnen einfach in irgendwelchen Parks zu schlafen um gegen Abend den Sonnenuntergang in vollen Zügen an dem Donaukanal genießen zu können. Wir sind Abends einfach planlos durch Budapest gelaufen um mitten in der Innenstadt einen Pool mit hunderten Menschen zu entdecken, die sich alle die heiß gelaufenen Füße im angenehmen Wasser kühlen. Außerdem haben wir einschneidende Erfahrungen mit der ungarischen Trinkkultur names 'Palinka' gemacht die im Nachhinein mehr zu Kopfschmerzen und einem flauen Gefühl im Magen führte, aber dennoch zu einer Nacht, die uns sicherlich in mehr oder weniger eindeutiger Erinnerung bleiben wird. Gerade mal sieben Tage von 30. Meine Augen werden schwer und ich werde langsam von dem wackelnden Zug und dem Klappern der Schienen in den Schlaf gewiegt. Ich bin angekommen und bereit für all das was in den nächsten Tagen noch auf mich zukommen wird, aber vor allem bin ich angekommen bei mir selber. 


TADA! Hier ist er der Post, es hat gedauert aber nun ist er da. Ich habe lange überlegt wie ich am besten alles von der Reise zeigen und erzählen kann - welche Aufteilung am meisten Sinn macht. Eine langweilige Nacherzählung jeder einzelner Stadt wäre aber einfach nichts für mich deswegen wird's wohl immer meine Highlights als Texte. Ich denke am Schluss wird's dann noch allgemeinere Texte geben mit meinen Stadt Favoriten und ein paar Insider Tipps über das Leben auf den Schienen. Seid gespannt und nun viel Spaß bei den Bildern aus Budapest und einigen aus Zagreb. 


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