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Samstag, 28. Januar 2017

MAKE LOVE NOT HATE


Ich schleppe meinen kleinen Koffer durch’s Abteil auf der Suche nach meiner Platzreservierung. 55 - gefunden, endlich. Zu meiner Enttäuschung stelle ich fest das mein so geliebter Fensterplatz von einem Mann mit dicker schwarzer Jacke und Seemans Mütze besetzt wird, beschließe aber mir dieses mal den Platz einzufordern. Also weise ich ihn mit einem zurückhaltenden Lächeln darauf hin das er auf meinem Platz sitzt. Ein bisschen wiederwillig steht er auf und setzt sich auf den Gang Platz neben mir. Ich pelle mich aus meinen drei Jacken Schichten ziehe mir die Kopfhörer wieder über die Ohren und öffne meinen Laptop als ich aus dem Augenwinkel bemerke wie seine Augen an meinem Laptop kleben und er mir halb auf dem Schoß sitzt - Hallo Diskretion. Also wende ich meinen Kopf nach links und schaue direkt in sein rundes Gesicht auf dem sich eindeutig feine Falten abzeichnen. „Was ist das denn?“ fragt er mich und zeigt auf die vielen Bilder auf meinen Desktop - schon wieder vergessen das ganze mal zu ordnen ärgere ich mich innerlich. „Naja ein paar viele Bilder“ antworte ich und lache. In den folgenden fünf Minuten erzählt er mir ausführlich das er von diesen neuen Techniken und Medien ja nichts halte, ihm genüge sein Festnetz Telefon das er damals für 25 Euro (zu meiner Verwunderung nicht Dm) gekauft habe. Und sowieso ginge ja die ganze Kommunikation zwischen einander verloren. Daraufhin betonte ich das man die ganze Technologisierung nicht so einseitig bewerten könne. 
Wir werden unterbrochen von einem „Einmal die Fahrausweise bitte“. Daraufhin zeige ich mein Online Ticket und die dazu gehörige Bahn Card. Mein Sitznachbar hat auch mit BahnCard gebucht, die hat er aber nicht mit. Der Kontrolleur weist ihn zu meiner Überraschung äußerst freundlich (ist ja bei der Bahn eher selten der Fall) darauf hin, dass er die natürlich immer dabei haben müsse. Total entrüstet antwortet mein Sitznachbar „Was wieso das denn? Ich hab das angegeben, ich schlepp dieses grüne Ding doch bestimmt nicht die ganze Zeit mit mir rum“. Letztendlich sucht der Kontrolleur seine Bahnkart Nummer durch Kollegen raus und zieht zufrieden ab. Ich versuche weiterhin meinen Sitznachbarn von dem logischen Argument zu überzeugen, dass ja sonst jeder einfach die 25% sparen könnte wenn man die Karte nicht vorzeigen muss, davon will er aber gar nichts hören. Und dieses kleine Ereignis hat schon vor unser darauf folgenden 30 minütigen Diskussion die Grundzüge seines intoleranten Charakters gezeigt.

Nachdem unsere Bahncard Diskussion beendet ist fragt er neugierig weiter und ich beantworte bereitwillig und  verkneife mir einfach meine Kopfhörer wieder aufzusetzen.

 Er erzählt mir das er tatsächlich überlegt habe in die Umgebung meiner alten Heimatstadt zu ziehen, dort gäbe es wenigstens noch vernünftige „deutsche Jugendliche“ die einem auf der Straße noch Hallo sagen würden. Die zwei Wörter „deutsche Jugendliche“ lösen sofort die Alarmglocken bei mir aus aber ich hoffe einfach mich verhört zu haben und wiederhole die beiden Wörter und ziehe meine Augenbrauen hoch. „Ja genau, der deutsche Jugendliche.“, wiederholt er seine Worte bestimmt. „Naja ich würde sagen den gibt es heute doch gar nicht mehr so. Wir leben in einer globalen Gesellschaft, eine Gesellschaft die nicht mehr nur aus einer Nation besteht sondern aus vielen unterschiedlichen..“, antworte ich als er mich unterbricht „Ja genau das ist das Problem. Die reinen Deutschen sterben aus, bald gibt’s gar keine mehr“. Ich muss schlucken, schaue ihn entgeistert an und dann beginnt sie unsere Diskussion. „So kleinen, Studentinnen aus Berlin wie sie sollte man mal richtig belehren. Dann würden sie auch nicht denken das sie so selbstbestimmt leben wie sie behaupten, sondern von Meinungen beeinflusst werden und von Gesetzen gemaßregelt werden“ antwortet er in einem ruhigen gelassenen Ton. „Natürlich bin ich nicht frei von Gesetzen, aber meiner Meinung nach sind Gesetze wichtig für eine funktionierende Gesellschaft“, darauf erwidert er nur trocken „Naja, kommt drauf an wie man sie ausgelegt.“ 

„Wissen sie ich glaube das ist ein Problem ihrer Generation aber auch leider vieler jüngerer Menschen in Deutschland. Ich glaube viele Menschen in ihrem Alter haben einfach Akzeptanz verlernt oder nie besessen. Sie sind intolerant gegenüber neuen technischen Möglichkeiten genau wie gegenüber Ausländern. Das sie kein Smartphone besitzen wollen, Pc’s grausam finden ok - aber wissen sie was der Unterschied ist? Das sind Dinge! Das sind keine Menschen, da besteht ein eindeutiger Unterschied. Sie können diese Ignoranz keinem Menschen entgegen bringen der genau so Mensch wie sie ist, mit den gleichen Rechten. Der kein Ding ist! Ich bin mit neuen Technologien aufgewachsen und ich bin eine multikulturelle Gesellschaft hinein geboren worden und mag das ein Austausch zwischen Kulturen besteht, auch wenn das natürlich nicht immer leicht ist...“, versuche ich ihm zu erklären. Er schüttelt nur lachend den Kopf und erwidert kurz und knapp „Das ist alles eine Sache von Erziehung.“ Ich bin geschockt und gleichzeitig stock wütend, wie kann ein Mensch so etwas denken? Was bringt ihn dazu Unterschiedene zwischen Menschen zu machen? Und dann letztendlich auch noch meine Eltern zu beleidigen, die mich aus meiner Sicht nicht besser hätten erziehen können (ohne jetzt mich selbst loben zu wollen - viel mehr meine Eltern), weil sie mich gelernt haben das jeder Mensch gleich ist, das Akzeptanz und Toleranz Basis für ein funktionierendes Zusammenleben sind.

 Die weiteren fünf Minuten gibt er eigentlich nur die stereotypischen Aussagen von AFD Politikern und Ausländerhassern wieder und beendet seine Predigt natürlich mit der Aussage „Die kriegen das Geld halt alle hintergeworfen. Warten sie mal ab bis es an ihren eigenen Geldbeutel geht“. Darauf fällt mir nicht mehr viel ein außer ein lachendes „Lassen sie mich raten, Trump finden sie ist ein super Kerl?“. Er nickt bestimmend „Aber ja, endlich mal jemand der anpackt. Der hat die richtige Einstellung, das werden die Deutschen hier auch noch lernen“. Ich schüttle nur den Kopf. Damit verläuft die Diskussion ins Leere und ich schneide unbeirrt meine Videos am Laptop weiter. Er schaut absichtlich nicht mehr in meine Richtung und erhebt sich nach fünf Anstandsminuten schlussendlich und setzt sich weg. Und genau hier schließt sich der Kreis. Mein Sitznachbar besaß einfach keine Toleranz und Akzeptanz  gegenüber neuen technischen Medien, gegenüber Ausländern und Asylanten, gegenüber Menschen mit einer unterschiedlichen Meinung. Ich habe versucht den Dialog zu suchen, möchte verstehen wie genau so eine Ignoranz und so ein Hass entsteht. Versuche anders Denkenden nicht meine Meinung aufzudrücken aber ihnen vielleicht neue Denkanstöße zu geben. Und genau deswegen bin ich nach unserer Diskussion nicht aufgestanden und habe mich weggesetzt, sondern habe es ertragen, habe die andere Meinung nicht verstanden aber sie geduldet. Genau das was er nicht konnte, und das macht mir Angst. Angst das sich unsere Gesellschaft in genau diese Richtung entwickelt, in der die eigene Meinung Maßstab für alles ist, in der Ignoranz und Akzeptanz willkürlichen bestimmten Vorgaben folgen. In so einer Gesellschaft will ich nicht leben.


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Donnerstag, 12. Januar 2017

Soundtrack 2016

Mit Kopfhörern in den Ohren laufe ich  mit schnellen Schritten die Schönhauser entlang - bin zu spät wie immer. Die Zeit hängt  mir bewaffnet mit einem spitzen Messer im Nacken und treibt mich voran noch schneller zu laufen, schließlich ist dieses Jahr nur noch drei Stunden lang da. Drei letzte Stunden von 8.760 Stunden, drei letzte Stunden von 2016. Und es hat sich angefühlt als hätte ich dieses Messer die ganze Zeit im Nacken gehabt, dass Gefühl das du die Momente, die Tage gar nicht richtig fassen kannst, sondern das du einfach mit ihnen lebst... Sie dir ganz langsam durch die Hände gleiten egal wie sehr du dich anstrengst sie festzuhalten, und doch gleichzeitig gar keine Zeit hast jeden einzelnen zu verarbeiten weil schon der nächste um die Ecke auf dich wartet. Und genau deshalb mag ich dieses rückblicken  auf ein Jahr, aus zwei bestimmten Gründen.
Erstens weil es die Möglichkeit bietet für einen ganz kurzen Augenblick auf alles zurück zu schauen, alles ein Stück weit mehr zu verabeiten, zu sehen was sich verändert hat bevor die nächsten 8.760 Stunden ungebremst auf dich einprasseln. Und zum anderen weil in mir eine nostalgische Oma mit grauer Dauerwelle schlummert, die Stunden damit verbringen kann alte Texte oder Bilder anzuschauen. 
Während ich also immer noch im schnellen Laufschritt zur Silvester Party laufe überlege ich was alles passiert ist dieses Jahr, als plötzlich die ersten Takte eines neuen Songs angestimmt werden. Ein ganz bestimmter Song, der mich an einen ganz bestimmten Moment erinnert - kein besonders spektakulären, aber einer dieser kleinen schönen. Und da weiß ich wie ich auf dieses Jahr zurückblicken will - mit Liedern. Denn letztendlich fällt mir auf, sind meine schönsten Geschichten und Momente dieses Jahr immer mit einem Lied oder einer Melodie verbunden...

Wait for me - Kings of Leon

Die schwüle Mittagshitze steht noch in ihren Startlöchern als ich über die noch kalten Steine der Terrasse unseres Ferienhauses tapse. Ziel ist die  Schaukel gegenüber vom Hauseingang. Der Rest meiner Familie schläft noch, nur ich habe mich am Abreisetag extra früh aus den dünnen Laken gequält um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Einzig und allein die Ameisenstraße ist schon in Betrieb und verarbeiten jeden einzelnen Brotkrümel der vom gestrigen Abendessen noch übrig geblieben ist.Vorsichtig lasse ich mich auf der alten Holzschaukel nieder die wie gewohnt quietscht - das tut sie schon seit 15 Jahren. Mit sechs Jahren saß ich hier das erste mal, damals hat Papa noch ordentlich Anschwung gegeben: ,,Doller Papa, doller Papa", ruft klein Lea obwohl sie sich kaum noch an den Eisenketten an beiden selten festhalten kann. Heute sitze ich hier, einige Köpfe größer und brauch inzwischen  auch keine Hilfe mehr beim schaukeln.. :D Langsam aber beständig gewinne ich an Schwung bis ich schließlich vor und zurück falle. Vor mir eine unglaublich schöne friedliche Landschaft, eine Mischung aus unterschiedlichsten Feldern und Bäumen und zwischendrin vereinzelte Häusern. Der Abschied fällt nicht ganz so schwer schließlich weiß ich das ich in knapp 365 Tagen wieder hier sitzen werde. Auf der alten quitschigen Holzschaukel gegenüber vom Hauseingang.



Volcano Choir - Comrade 

Sie steckt neue Kerzen in ihre leeren Guiness Bierflaschen die schon vollkommen vom Wachs überzogen sind, um sich dann zu mir ins Bett zu legen. Mein Kopf liegt auf ihrer Schulter während sie mir einzelne Strähnen hinter das Ohr klemmt. Kaputt und papp satt liegen wir nach unserem monatlichen Kochabend wieder bei ihr im Bett, als das nächste Lied in meiner Playlist die ersten Takte anstimmt. "Weißt du", sag ich, "Kennst du solche Lieder die dich so mitreisen, dass es dir im Herzen weh tut. Solche Lieder die dich irgendwo abholen und nicht mehr loslassen? Das ist so eins" beende ich meine etwas kitschige Liebeserklärung an dieses Lied. Sie nickt, grinst und drückt mich noch enger an sich als der Refrain mit einem schnellen Tempowechsel einsetzt und genau das mit mir macht was ich ihr gerade beschrieben hab. Er tut weh, aber auf eine schöne Art und weise. So 'ne Melancholie-ach-ist-das-gerade-schön-das-soll-gar-nicht-vorbeigehen Art und Weise. 
Als die Lautstärke abnimmt flüstert sie: "Der war echt super schön". Kaum hat sie das letzte Wort ausgesprochen ertönt ein ohrenbetäubender Lärm und warum auch immer setzt ein grausig lauter Heavy Metal Song ein der uns beide Tränen lachen lässt.


Fink - If only

Die Sonne knallt auf die größtenteils sowieso schon krebsroten Körper die sich am Strand tümmeln. Am liebsten würde ich ins kühle Nass springen und mich einfach richtig abkühlen, dummerweise musste ich mich ja drei Tage vor dem Urlaub auf meinen Lockenstab setzen  - um schon mal vorzubruzeln ;) und muss deswegen zumindest noch ein oder  zwei Tage warten bis ich ins Wasser kann. Also beobachte ich die anderen ein wenig neidisch vom Ufer aus, komme aber nicht drum rum wie sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht breit macht. Wie kleine Kinder toben und planschen sie im türkis blauen Mittelmeer mit unserem neuen Familienzuwachs herum - Lacoste, ein knallgrünes Plastik Krokodil das tapfer die nacheinander wechselnden Sonnenanbeter auf den Wellen balanciert. Ich winke und alle winken ein bisschen wehmütigen und entschuldigend zurück als ich mich nach links drehe um die nächsten Minuten den Strandabschnitt entlang zu laufen. Mit meinen Kopfhörer laufe ich also vor mich hin während die Leute immer ein wenig irritiert über meine super sexy Badehose, die meine Brandwunde vor der Sonne schützen soll. Genau so irritiert und belustigt zugleich schaue ich aber auch als ich realisiere dass ich mich am FKK Abschnitt befinde. Habe noch nie so viel nackte Haut auf einem Haufen gesehen! Aber nach einigen Minuten hab ich das alles schon ausgeblendet und merke nur noch den so geliebten Sommerwind in meinen Haaren, den Sand zwischen meinen Zehen, das Salz auf meiner Lippe und die Gewissheit das ein Haufen meiner längsten Freunde nur 200 m entfernt ist.

Little Lion man - Mumford and Sons

Sonntag Abend - hinter uns liegen drei Tage voller Regen, Sturm, Kälte und Schlamm. Gaaaaanz viel Schlamm. Das Hurricane hat dieses Jahr seinem Namen alle Ehre gemacht und dennoch sind wir geblieben genau wie die Hälfte der Festival Besucher. Meine Motivation war auf jeden fall  auch dieser heutige Abend, diese Band live zu sehen. Und genau aus diesem Grund stehen wir wie damals die 13 jährigen Tokio Hotel Fans schon zwei Stunden vorher ganz vorne. Neben uns haben wir schon die Bekanntschaft mit Jens gemacht, der Mitte dreißig ist und sich irgendwas total verrücktes eingeworfen hat was ihn die ganze Zeit aufgeregt hin und herzappeln lässt. Daneben haben wir Nadine und Janine, zwei Lehramtsstudentinnen die schon kurz vor dem Nervenbruch stehen weil Mumfrod and Sons ihre absolute Lieblingsband ist. Deswegen sichern sie sich jetzt auch zum fünften mal bei Zappel Jens ab das sie auch wirklich auf seine Schultern später dürfen. Zu guter letzt steht vor uns Alex. Alex haben wir vor einigen Minuten kennen gelernt als er uns gefragt hat wer hier denn überhaupt spielt. Alex hat inzwischen auch schon ungefähr 5 Liter Bier intus was ihn aber natürlich nicht von einem 6.Liter abhält. 

Die Scheinwerfer sind an, die Leute jubeln und wir mitten drin. Wir tanzen zu zweit hin und her,  kreischen die Songtexte mit und all der Trubel und Schlamm der letzten Tage ist vergessen. Nach einigen Lieder guckt er mich aufgeregt an und schreit "Ich mach das jetzt!!". Kurzer Hand tippt er die zwei Riesen Zwillinge neben uns an, sagt ihnen was ins Ohr und schwups sitzt er auf den Schultern des einen. Ich grinse in seine Richtung und hüpfe weiter vor mich hin. Als die zweite Strophe einsetzt lässt der große Zwilling ihn wieder runter und ich sehe in seine feuchten Augen aus denen nach und nach die Tränen laufen. Es dauert einen Augenblick bis er seine Stimme wieder findet. Und dann schaut er mich ganz ruhig an, nimmt mich kurz in den Arm und sagt "Danke, dass du hier bist" um danach meine Hand wieder hochzureißen um mit mir aus voller Kehle den Refrain anzustimmen. 

RYX - HOWLING

12 Uhr Mittags sitzen wir alle ein wenig verkatert auf einer Couch irgendwo in Pankow. Unsere Chaosqueen (und nein, dass bin nicht ich) zieht heute um. Kenne keinen Menschen der so verpeilt ist und trotzdem gleichzeitig mal eben zwei Auslandssemster organisiert, Theater spielt, singt, Spanisch lernt, politisch aktiv ist, als Nebenfach BWL studiert und auf jeder Party bis zum Schluss tanzt. Was sie aber nicht hinkriegt sind ihre Umzugskartons, die Nähmaschine, die Wäsche von gestern und den diverse Kleiderstangen in die neue Wohnung zu transportieren. Also helfen wir ihr. Stolpern durch das matschige Berlin, sehen aus als würden wir vor der Klausurphase fliehen und gleich in den Flieger steigen. Verstopfen die U-Bahn mit dem ganzen Zeug und retten von uns, die als letztes aus der U-Bahn steigt und mit der Wäsche von gestern in den Türen hängen bleibt. Doch eine Belohnung wird uns versprochen...Nachdem alles in der neuen Wohnung abgeladen ist laufen wir hoch bis in den vierten Stock. Vor uns steht eine wacklige Leiter, die oben an die Dachluke ragt. "Einfach nicht nach unten gucken", spreche ich mir die ganze Zeit zu als ich vorletzte mit wackligen Beinen Stufe für Stufe erklimme. Und es lohnt sich. Hier stehen wir also nun auf dem Dach. Um uns herum nur die spitzen Dächer der anderen Häuser, über uns der immer blauer werdenden Himmel. Und in uns allen die Vorfreude auf den kommenden Frühling. 

HONNE - Warm on a cold night 

Der Winter kommt im Februar noch mal richtig auf Hochtouren. Dick eingepackt fällt die Tür hinter uns ins Schloss. Es ist Donnerstag, für uns faule Studenten als schon wieder Wochenende. Am Späti gibt's für jeden noch ne Mate um den Klischee komplett gerecht zu werden. So laufen wir zusammen die Schönhauser Alle runter die aufgrund des fortgeschrittenen Abends und der Kälte wie leer gefegt ist. Aus den schlechten Handyboxen ertönt unsere Hymne für die letzten Wochen. "Cause you can keep me waaaaarm on a cold night" höre ich sie laut mitsingen. Sie tanzt einige Schritte vor mir und ich beobachte sie ein bisschen. Kann gar nicht glauben das ich diese eine Person erst seit wenigen Monate kenne, weil sie gleichzeitig eine der Personen ist die mich gefühlt in und auswendig kennt. Meine Macken, meine Ängste und natürlich meinen Lieblings Humus. Ich glaube eigentlich nicht wirklich an Schicksal, aber manchmal fühlt sich unsere Freundschaft fast  ein bisschen so an: Als wäre das alles irgendwie vorbestimmt. Als hätte das Leben gewusst das wir beide noch jemanden brauchen. Jemanden der uns zeigt wo's langgeht, der uns hilft Sachen loszulassen, jemanden der sich an einem richtig miesen Tag einfach mal mit nem Weißwein in irgendeinem Fotoautomaten betrinkt. Oder jemanden mit dem du von einem riesigen Kran das Festivaltreiben unter dir beobachten kannst. Jemand der mit dir 24 Stunden vor Abgabe mit der Hausarbeit anfängt, jemanden der sich mit dir Blaubeer Muffins teilt, jemand der dir hilft an deine Träume zu glauben und sie zu verwirklichen. Jemanden wie dieses super süße, und wunderbare Geschöpf was da vor mir rumhopst. 

Und wie jedes Jahr hab ich das Gefühl ich kann dem Jahr mit einen paar Zeilen gar nicht gerecht werden. Insgesamt ein Jahr was mir mal  den Boden unter den Füßen gerissen hat und gleichzeitig ein Jahr mit dem ich so viele schöne Lieder und gleichzeitig Erinnerungen verbinde. Vor allem war es aber ein Jahr in dem ich gemerkt hab was ich alles nicht will. Ich will nicht irgendeinen Büro Job machen auf den ich keinen Bock habe, nur weil er mir Sicherheit bietet. Dafür höre ich mir auch gerne zum 100. mal die Frage an was ich denn bitte mit "So einem" Studiengang anfangen möchte. (Bestes Zitat dieses Jahr kam dies bezüglich von einem Fahrkartenkontrolleur als er mein Studententicket sieht "Kulturwissenschaft (lacht) das kann man studieren? Was wird man dann damit?" - Antwort meinerseits: "Bestimmt kein Fahrkartenkontrolleur...")

Ich sitze in der Bahn Nachhause. 01.01.2017, die ersten 5 Stunden des Jahres wurden mit tanzen verbracht. Der nostalgischen Oma ist die Optimistin gewichen. 2016 war nicht nur ein Jahr der schönen Momente, aber genau die schlechten Momente haben mir gezeigt was ich nicht will denke ich...
Was ich für später auf jeden Fall auch nicht will ist nen Ralf 35, der wenn er Ausgang von Zuhause hat sich in 'nem Club mit Drogen dicht ballert und dann meint er hätte die Crowd total im Griff. (Zitat Emilia!) Genau so wenig möchte ich nen Bengel der nicht weiß was er will und sich mit Ende zwanzig kurz vor der Midlife crisis befindet und sich die ersten Studienjahre zurück sehnt. Zu dieser nicht wollen Kategorie zählt übrigens auch ein Jochen, 45  der seine Frau mit einem charmanten "Bist ganz schön fett geworden" beim Klamotten Kauf gleich noch mehr verunsichert. Was ich nicht will ich bevormundet werden nur weil ich eine Frau bin. Ich will noch selbstbestimmter leben, mich nicht von Leuten verunsichern lassen die meinen mich zu kenne. Mir keine sexistischen Bemerkungen gefallen lassen - meine Beine möchte ich mir trotzdem weiterhin rasieren ;) Will mich noch mehr auf kreative Projekte konzentrieren, die Grenzen Europas überschreiten, und mir endlich mal ne ordentlich Grammatik (KOMMASETZUNG) zu legen :D  Also 2017, zeig mal was du so kannst! 



Weitere Lieder 2016

AnnenMayKantereit - Pochahontas; Bon Iver - 33 GOD, James Blake feat Bon iver - Forst Fire, SoKool- Recognize (Original Mix), Dermont Kennedy - An evening I will not forget, Robert Francis - Junebug, Young - Vallis Alps, Kaffee Warm Triologie - OK KID (Spotify Session), Peaches - In the valley below, On my shoulder - The Do, BANKS - Gemini Feed, Be right back moving House - Ghostpoet




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April - Barcelona mit Svenja und viel zum schlechten Wetter, dafür wunderbaren Fahrrad Touren am Strand und ganz viel geiles Essen

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Juli - WG Abende die am See statt gefunden haben, oder doch wieder in der verrauchten und unglaublich chaotischen Küche

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Juni - José und Leo wiedervereint in ihrer Lieblingsstadt -  eine der engsten  Freundinnen jetzt gleich um die Ecke!

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Januar - Hometown visit vom Lieblings Anton! Stellvertretendes Bild und fettes Danke an alle meine lieben Freunde die mich das Jahr in meinem neuen Zuhause besucht haben!

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September - Mallorca Part eins: Lea, Lara und der Kofferaum. Ein Hoch auf jede einzelne Fahrt bei Sommerwind zu siebt in diesem Auto.

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März - Dieser View... diese Sonnenuntergänge. Gefühlt 12394855 dieses Jahr, und jeden einzelnen genossen. Das werd ich in der neuen Wohnung definitiv vermissen...


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Mai - Happy Svenster und Chaos Lena total glücklich nach einem Tag voll Tanzen und Weißwein aka. Karneval der Kulturen

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September - Mallorca Part two. Die Hometown Crew, die sich unglaublich lieb hat und sich auf Portugal dieses Jahr freut!

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Juli - FESTIVAL VIBES! Nachdem der Rekord fürs Zelt aufbauen aufgestellt wurde ging's dann doch noch zum tanzen. Würde sagen auf unserer Reise nach Asien kann nichts mehr schief gehen... :D


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November - Wohl die schönste und lang ersehnteste Wiedervereinigung dieses Jahr. Nach 3 Jahren befinden wir uns endlich wieder im gleichen Land. Oi, Hab dich vermisst Browne!

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Februar - Stellvertretend für jeden einzelnen Bar Abend, für jedes einzelne "immer wieder Sonntags" WG & FRIENDS essen gehen.


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Juni - HURRICANE. Danke für das durch den Schlamm gehen, wälzen. Für das im Zelt halb ertrinken und für das trotzdem Spaß haben!